Piombino & Elba

Am 13. Mai brechen wir unsere Zelte im Cinque Terre ab. Als wir am Nachmittag Piombino erreichen, ist der Campingplatz, den wir anfahren wollen, nicht mehr existent. Wir finden zwar das Gelände, auf dem der Platz einmal war, aber niemand in der Nachbarschaft kann uns sagen, ob es den Campingplatz an anderer Stelle gibt. Die Internetseite des Agricampeggio Princess ist aktiv, aber es geht niemand ans Telefon und auf unsere Mail wird auch nicht geantwortet. Wir suchen im Internet nach Ersatz und fahren den Campingplatz „Campo al Fico“ an. Die Dame an der Rezeption ist sehr freundlich, es gibt einen Parkplatz für das Boot und auch für Schröder. Die Stellplätze sind groß und es ist wenig Betrieb.

Unser Equipment ist schnell aufgebaut und wir machen uns mit dem Campinplatz in der Nähe von Piombino vertraut. Die Stellplätze, die fest vermietet sind, deuten auf italienische Großfamilien hin, die hier ihre Ferien verbringen. Wohnwagen, Kochzelt, überdachte Sitzplätze und Fahrräder für die ganze Familie stehen bereit. Es gibt etliche feste Stellplätze, aber es ist ja erst Mai und es ist noch sehr ruhig auf dem Platz. Wenige Camper aus anderen Ländern reisen hier an. Zu unserem Entsetzen sind die sanitären Anlagen sehr puristisch und auch nicht wirklich sauber. Da es unser Ziel ist, nach Elba zu fahren, arrangieren wir uns erneut mit den Verhältnissen.

Die Strände von Carbonifera haben feinen, weißen Sand. Doch die Sonnenhungrigen bleiben aus. Es ist keine Ferienzeit und der Wind lädt nicht gerade ein, um am Strand zu liegen. Für einen ausgedehnten Spaziergang am Meer ist es perfekt. Das Wasser ist noch sehr kalt; maximal ein Fußbad ist uns genehm.

Carbonifera liegt in der Toskana. Das Hinterland mit seiner für die Toskana typischen Vegetation ist ein Augenschnaus. Die Olivenhaine, Zypressen und bereits abgemähten Kornfelder verbreiten einen angenehmen Duft.

Entlang des Meeres gibt es enge Straßen und befestigte Wege. Unsere Radtour führt uns an die Strände und durch so wunderschöne Alleen. Wir radeln nach Follonica. Diese Kleinstadt hat ein modernes Stadtbild und ist der größte Badeort in der Toskana. Dementsprechend ist die Infrastruktur. Entlang des Meeres reihen sich Restaurants und Cafés aneinander.

Wenn der Campingplatz auch unseren Vorstellungen überhaupt nicht entspricht, so liegt er strategisch gut, um Ausflüge in die nähere Umgebung zu unternehmen. Außerdem steht unser Boot auf bewachtem Gelände des Platzes. Das ist nicht auf jedem Campingplatz möglich. Und obendrein ist das Personal sehr freundlich und hilfsbereit. Da das Wetter nicht mitspielt, weil es viel zu windig ist, lassen wir das Boot auch hier lieber an Land. Dass es in Italien im Mai so windig und frisch ist, haben wir nicht einkalkuliert. Bei uns im Süden am Oberrhein ist das Motorbootfahren zu dieser Jahreszeit problemlos möglich.

Flora und Fauna gedeihen in dem milden Klima des Frühjahrs in der Region in vollen Zügen. Wenn wir auch etwas traurig sind, dass das mit dem Bootfahren nicht klappt, so erfreuen wir uns an der schönen Natur.

An einem Tag mit Wolken aus dem Bilderbuch besuchen wir Piombino. Bei der Anfahrt sehen wir eine moderne Stadt, in der sich sehr viel Industrie angesiedelt hat. Modern heißt nicht unbedingt, dass es optisch attraktiv ist. Der Altstadtkern ist gut erhalten und das seit dem Mittelalter. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt das Castello di Piombino, das auf unserem Foto von den herrlichen Wolken eingerahmt wird.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Palazzo Comunale mit dem Torre dell’Orologio, ein gut erhaltenes Stadttor aus dem Mittelalter. In der Altstsadt finden wir ein kleines Café, in dem Kai seine geschäftlichen Telefonate erledigt. Die Zeit für den Job können wir uns jederzeit und an jedem Ort nehmen. Mit unserem technischen Equipment aus mobilem Router von Huawei und einer italienischen Datenkarte von iWind haben wir ständig Verbindung, um zu surfen, zu mailen, etc.

Während Kai arbeitet, nutzt Sabine die Zeit für einen guten Cappuccino und die Beobachtung der italienischen Rentner, die sich nach und nach im Café einfinden. Sie sind bestens gelaunt, lachen und erzählen ihre Geschichten. Uns gefällt ihre positive Ausstrahlung. Die Mispelbäume hängen voller Früchte, die so genannten Nespole. Bei uns findet man diese Frucht nur sehr selten, weil sie schnell verdirbt und den Transport nicht überleben würde. Der süßsaure Geschmack ist erfrischend.

Da wir Elba unbedingt sehen wollen, bleibt das Boot auf dem Campingplatz und wir nehmen samt Schröder am 16. Mai eine Fähre ab Piombino. Der Fährhafen ist sehr modern, alles ist bestens ausgeschildert. Ticketkauf und die Beladung gehen reibungslos und zügig vonstatten. Eine Überfahrt kostet ca. 70 €.  Ab Piombino gehen auch mehrmals täglich Fähren nach Korsika und Sardinien.

Nachdem unser Bus geparkt ist, inspizieren wir zunächst die Ausstattung der Fähre. Es gibt Rettungsboote, Strickleitern, um in die Rettungsboote zu gelangen und scheinbar intakte Kräne und Tampen. Diese Fähre macht einen vertrauenswürdigen Eindruck.

Nach ca. 1,5 Stunden legt die Fähre in Portoferraio, der Hauptstadt der toskanischen Insel Elba an. Wir laufen entlang der Hafenmole, bis wir zur Porta del Mare gelangen. Durch dieses Tor in der Stadtmauer gelangen wir auf die Piazza Cavour und sind mitten in der Altstadt.

Über ausgetretene Stufen erklimmen wir die Anhöhe, auf der die Festung von Portoferraio errichtet wurde, bis wir die Winterresidenz von Napoleon Bonaparte, die er während seiner Verbannung bewohnt hat, erreichen. Das Gebäude beherbergt heute ein Nationalmuseum, das Originalexponate aus der Zeit Napoleons zeigt. Der Name Portoferraio heißt übersetzt Eisenhafen, was auf den Abbau von Eisenerz in früheren Zeiten auf Elba hinweist. Wo Licht ist, ist auch stets Schatten. Zwischen den Häuserfluchten entdecken wir Wohnungen, die definitiv von Menschen bewohnt werden, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat. Aber die Leute haben ihre Umgebung nett gestaltet mit farbigen Sonnenschirmen, Blumen und gemütlichen Sitzecken.

Während wir durch die Altstadt von Portoferraio gehen, haben wir immer wieder einen freien Blick aufs Meer, kleine Inseln in der Nähe Elbas und den Hafen von Portoferraio. Allein für diese Aussicht lohnt sich der Aufstieg auf die Anhöhe. Da wir wenig Zeit mitgebracht haben, verzichten wir auf den Besuch der Pinakothek, in der 500 Gemälde des 19. Jahrhunderts gezeigt werden, und auf die Besichtigung der Ausgrabungsstätte einer römischen Villa.

Wir verlassen Portoferraio mit dem Ziel: Porto Azzurro. Der Ort liegt eingebettet in der natürlichen Mola Bucht. Vom Meer aus kann man die Festung Forte San Giacomo ausmachen, unter der das malerische Fischerviertel liegt. Die Marina ist außerordentlich gut ausgestattet; Kran, Waschräume, Stege und zahlreiche Bojen sind vorhanden. Uns ist schnell klar, dass wir irgendwann zurückkehren werden, und dann mit dem eigenen Boot.

Die neugestaltete Piazza Matteotti mit ihren gemütlichen Cafés und Restaurants ist ein Magnet am Hafen. Vor dem Rathaus hat der steinerne Neptun sein Revier im Auge. Die Seefahrer, die zahlreich den wunderschönen Hafen anlaufen, versuchen ihn gnädig zu stimmen. Die Altstadt hat viele kleine, aber feine Boutiquen mit ansprechendem Angebot: Handtaschen( über die wir unter Mitbringsel mehr berichten), Kleidung, Souvenirs, Naturkosmetik, made auf Elba, Parfum, made auf Elba, und vieles mehr. Wir trennen uns nur schwerlich von Porto Azzurro und fahren weiter nach Rio Marina.

Im Hafen von Rio Marina liegen die Boote gut geschützt hinter einer langen, steinernen Mole. Zu dieser Zeit ist es ein beschaulicher und ruhiger Ort. Die Gassen sind nicht so aufgehübscht. Diesen Ort werden eher wenige Touristen finden. Der Weg dorthin ist sehr kurvenreich und steil; allein das wird viele abschrecken, Rio Marina aufzusuchen. Da es im Ort außer Feriendomizilen und wenigen Restaurants weiter nichts zu entdecken gibt, bewegen wir uns in Richtung Campingplatz.

Wir haben Glück und bekommen einen Stellplatz auf dem Campingplatz, der oberhalb der herrlichen Biodola Bucht mit ihrem goldenen Sand liegt. Camping Scaglieri liegt auf zum Meer hin abfallenden Terrassen. Der Campingplatz hat neben der außergewöhnlichen Lage eine sehr gute Infrastruktur. Wir werden in einem Golfcart über den Platz gefahren und dürfen uns unseren Platz aussuchen. Volltreffer. Von unserem Platz aus können wir den fantastischen Sonnenuntergang sehen. Am Morgen lockt uns das grün-blaue Meer an den Strand. Über steinerne Treppen geht es direkt an den Beach. Erstaunlicherweise ist das Wasser schon herrlich warm. Dieser Campingplatz bekommt von uns volle Punktzahl. Die sauberen Waschanlagen, ein kleiner Supermarkt und ein nettes Restaurant machen unseren kurzen Aufenthalt noch angenehmer.

Der Campingplatz Scaglieri ist für einen Sommerurlaub auf Elba die perfekte Wahl. Die Aussicht auf das Meer ist einzigartig. Die sauberen Waschräume, Toiletten und Waschmaschinen, die Freundlichkeit der Betreiber und die Nähe zu Portoferraio runden das Bild ab. Wir legen spontan einen Badetag ein und bleiben eine weitere Nacht auf dem Platz.

Auf dem Weg vom Campingplatz Scaglieri nach Marciana Marina gibt es entlang der Küstenstraße mehrere Parkbuchten, von denen aus wir noch einmal einen Blick auf die traumhafte Bucht Biodola werfen können.

Am dritten Tag unseres kurzen Aufenthaltes auf Elba besuchen wir Marciana Marina. Es ist eine der ältesten Städte auf Elba. Dieser Ort im Nordwesten der Insel hat es uns angetan. Der Hafen, die lange Uferpromenade mit den kleinen Cafés, das Fischerviertel Cotone und die farbigen Häuser bilden ein harmonisches Ganzes. Das mediterrane Flair lädt zum Verweilen ein.

Marciana Marina hat neben dem Hafen und der belebten Uferpromenade einen Kieselstrand mit extrem klarem Wasser.  Die Finanzbehörde hat hier auch ihren Standort samt Schnellboot.

Die Badehäuschen sind in Marciana Marina besonders schön. Wir finden diese Kultur nennenswert. Wertsachen und Kleidung verstauen, Garderobe – alles in einem und obendrein sind sie hübsch anzuschauen.

Als i-Tüpfelchen unserer kurzen Begegnung mit Marciana Marina entdecken wir im Ort einen kleinen Supermarkt. Der stolze Besitzer berichtet uns, dass er das Gemüse, das er hier verkauft, selber anbaut. Aber das ist nicht alles. In den Regalen stehen, wie in einem gut sortierten Feinkostladen, allerlei leckere Sachen wie Marmelade, Chutneys, Saucen, eingewecktes Obst und Gemüse. Aber diese wunderbaren Delikatessen stammen nicht aus einer Fabrik, sondern wurden vom Supermarkt-Team selber hergestellt. Zu unserer Freude wurde bei den meisten Leckerein kein Zukcer hinzugefügt. Sogar eine Marmelade mit 100% Frucht ist im Sortiment. Die Käse- und Wursttheke lässt keinen Wunsch übrig. Wir kaufen so viel ein, dass Kai den Schröder vom Parkplatz holen muss. Hoffentlich bekommen wir auf kleinstem Raum alles verstaut. Doch unsere Kompressor-Kühlbox von Dometic ist ein Raumwunder.

Da wir nicht die Fähre um 18.00 Uhr erreichen wollen, setzen wir unsere Fahrt fort und besuchen zum Abschluß den Ort Marina di Campo. Ein lebhafter Ferienort mit langem Sandstrand und gut ausgebautem Yachthafen empfängt uns. Im Vergleich zu Portoferraio und Porto Azzurro fehlt hier die Eleganz. Die Villen waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts sicherlich mondän. Heute wirken sie eher vernachlässigt. Aber die Fußgängerzone ist einladend. Wir sehen etliche Reisebusse. Es ist zu vermuten, dass dieser Ort im Frühjahr von Pauschaltouristen aufgesucht wird, die preiswert und trotzdem in angenehmer Atmosphäre ihren Urlaub verbringen wollen.

Marina di Campo hat neben dem Hafen und den Strandhotels den längsten Strand von Elba.

Bevor wir auf das Festland zurückkehren, stellen wir Schröder noch einmal oberhalb von Porto Azzurro ab und genießen die wundervolle Aussicht. Der kurze Aufenthalt auf Elba ist sicherlich ein Highlight unserer dreimonatigen Reise. Diese Insel ist aus unserer Sicht ein sagenhafter Ort für einen fantastischen Urlaub. Wir werden auf jeden Fall mit unserem eigenen Boot irgendwann hier anreisen und Elba vom Meer aus erkunden.

Wir kehren am 18. Mai abends auf unseren Campingplatz in der Nähe von Piombino zurück. Unser Boot finden wir wohlbehalten an. Wir nutzen den Rest des Tages, um unser Zelt abzubauen und den Schröder für die Weiterfahrt nach Salerno zu beladen. Im Tagebuch findet ihr bereits eine Vorschau auf unsere Erlebnisse an der Amalfi-Küste. Darüber werden wir ausführlich in einem gesonderten Beitrag berichten. Wenn Euch unser Bericht über Elba gefallen hat oder Ihr Fragen habt, freuen wir uns über einen Kommentar oder eine E-Mail.