Cinque Terre, La Spezia & Portofino

Auf unserem Weg in die Küstenregion Cinque Terre machen wir für eine Nacht einen Zwischenstopp am Luganer See. Fotos dazu findet ihr in unserem Tagebuch. Wir fahren den Campingplatz Monte Generoso an. Für unser Gespann mit einer Länge von 12 m gibt es ausreichend Platz. Wir hängen das Boot ab und bekommen einen Stellplatz direkt am See zugewiesen. Für diesen kurzen Aufenthalt ist der Platz perfekt. Die Anlagen sind sauber; das Personal total freundlich und hilfsbereit. Am kommenden Tag, also am 6. Mai 2017 setzen wir unsere Reise fort und erreichen am späten Nachmittag den Campingplatz:  Camping River in Ameglia. Diesen Platz haben wir gewählt, weil es nebenan eine Marina hat, in der unsere Viper liegen soll.

Die Anfahrt zum Campingplatz war mit dem Gespann abenteuerlich, weil die Zufahrtswege sehr schmal sind und wir kaum um die Ecke kommen. Auf den ersten Blick erscheint der Campingplatz ideal. Da es Vorsaison ist und nur Durchreisende den Platz anfahren, werden die sanitären Anlagen dementsprechend sparsam gereinigt. Wir arrangieren uns damit und auch mit dem Regen in den ersten zwei Tagen. Als wir den verschlammten Fluß sehen, ist die Entscheidung schnell gefällt, dass wir das Boot nicht wassern werden.

Grundsätzlich gesehen, ist Ameglia ein strategisch gut gelegener Ort für einen Besuch im Cinque Terre. Bis La Spezia sind es nur wenige Minuten mit dem Auto. Die Lage am Fluss Magra und der Blick auf die Apuanischen Alpen und die Carrara Berge ist einzigartig.

Das Flussdelta des Magra ist ein ausgezeichnetes Bootsrevier. Von hier aus sind Fahrten mit dem eigenen Boot ins Cinque Terre sicherlich ein spannendes Erlebnis. Leider spielt das Wetter nicht mit und so machen wir uns auf den Weg nach La Spezia, um uns über Alternativen für die Anreise ins Cinque Terre zu informieren.

Im Hafen von La Spezia liegen die ersten Kreuzfahrer der Saison in der Nähe des Industriehafens. Der Hafen ist Liegeplatz einiger italienischer Marineschiffe. Entlang der Promenade, die Palmen gesäumt ist, ist ein riesiger Yachthafen.

Als erstes organisieren wir eine Datenkarte von iWind, die wir in dem mobilen Router von Huawei installieren werden. Später stellen wir fest, dass das zusammen mit einer LTE-Antenne optimalen Empfang bietet. Wir erkunden La Spezia und denken ein wenig an Mailand dabei. Natürlich ist die Stadt kleiner und nicht so mondän, aber es gibt Ähnlichkeiten hinsichtlich der Gebäude und der Arkaden, die das Stadtbild prägen.

Die Arkadengänge in La Spezia haben wunderschöne, mit Mosaiksteinen gestaltete Deckengewölbe. Die historischen Bauten sind sehr gut erhalten und geben der Stadt ein Bild zu Zeiten Anfang des 20. Jahrhunderts.

Der Yachthafen von La Spezia ist Ausgangspunkt auch für private Fahrten ins Cinque Terre.

Den Ort Portovenere, der gemeinsam mit den fünf Dörfern des Cinque Terre zum Weltkulturerbe ernannt wurde, fahren wir von La Spezia aus an. Zu dieser Jahreszeit ist es kein Problem, einen Parkplatz zu finden. Die Liegeplätze im Hafen von Portovenere sind im Sommer neben denen in La Spezia und Portofino heiß begehrt. Die vielen Bojen, die wir entdecken, sind ein deutliches Zeichen dafür, wie voll es im Hochsommer hier sein wird. Der Ort ist sehr touristisch mit vielen Bars, Restaurants und Souvenirgeschäften. Wir finden eine nette Bar, in der es zu einem Glas Wein für 4 € einen Knabberteller mit Oliven, Käse, Salami und Kapern gratis gibt. So lassen wir den Tag in einem der schönsten Häfen Italiens gemütlich ausklingen.

Am dritten Tag unseres Aufenthaltes in der Küstenregion Cinque Terre entscheiden wir aufgrund des starken Windes, nicht mit dem eigenen Boot zu den Dörfern zu fahren. Wir besteigen in Lerici, einem bezaubernden Ort in der Bucht von La Spezia, ein Ausflugsschiff, dass zunächst Kurs auf Portovenere nimmt. Dort steigen wir um, auf das Boot gen Riomaggiore.

In Lerici fühlen wir uns adhoc wohl. Die Strandpromenade lädt ein, zum Hafen zu laufen, der so idyllisch in die Bucht von La Spezia eingebettet ist. Das dominante Kastell bietet dem Ort und dem Hafen auch heute noch Schutz, aber mehr vor der rauen See und den Winden. Im Hafen legen die Fischer an, die ihren frischen Fang sofort in die Truhen der Fischgeschäfte packen. Neben den Luxusyachten, Hotels, Restaurants und Bars ist dieser Fischerort nicht nur von Touristen besiedelt.

Am frühen Morgen verwandelt das Sonnenlicht die bunten Häuser in Portovenere zu einem farbenfrohen Bild. Die Kirche St. Peter an der Ausfahrt des Hafens verabschiedet die Seefahrer, die den Hafen verlassen oder begrüßt die einlaufenden Schiffe und Boote. An der Stelle der Kirche, die im 5. Jahrhundert errichtet wurde, stand einst der Tempel der Venus.

Das Ausflugsboot macht den ersten Stop in Riomaggiore. Es ist der südlichste Ort des Cinque Terre. Beeindruckend sind die Farben der Häuser. Zu jeder Tageszeit leuchten sie unterschiedlich. Der Ort zählt ca. 1500 Einwohner, die sicherlich gut vom Tourismus leben können.

Die engen Gassen, mal freundlich hell, mal eher dunkel und geheimnisvoll, duften bei unserer Ankunft alle nach Waschmittel. Heute scheint offizieller Waschtag in Riomaggiore zu sein. Teilweise sind die unzähligen Stufen vom Waschwasser getränkt. Die Menschen hier scheinen das Bunte zu lieben. Einige Hausfassaden, so auch die des Rathauses, sind mit Wandmalereien versehen, die das Leben in einem Fischerdorf verdeutlichen.

In der Nähe des Rathaus befindet sich ein größerer Platz, von dem aus der Blick über das farbenfrohe Häusermeer hinaus auf die offene See zum Träumen verführt.

Die individuell gestalteten Kacheln entdecken wir am Bahnhof in Riomaggiore. Das Cinque Terre mit dem Zug zu bereisen, ist eine gute Alternative, da Bahnfahren sehr günstig in Italien ist. Zwischen La Spezia und Levanto verkehren laufend Regionalzüge, die in allen Orten des Cinque Terre stoppen. Allerdings geht es durch unzählige Tunnel und man sieht vom Nationalpark nicht so viel.

Ein Fußweg von Riomaggiore nach Manarola ist aufgrund einer Steinlawine gesperrt. Wir fahren also mit dem Ausflugsboot weiter. Der nördlichste Ort des Cinque Terre ist Monterosso al Mare. Dort gehen wir wieder von Bord. Als typisches, italienisches Fischerdorf würden wir diesen Ort nicht mehr bezeichnen. Vielleicht kehrt das Leben, das wir uns darunter vorstellen, im Winter ein, wenn all die Touristen wieder verschwunden sind. Die Reisezeit Mai/ Juni ist aufgrund der milden Temperaturen beliebt. Das Cinque Terre läßt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Wer gern wandert, ist hier genau richtig. Die Wege sind gut ausgeschildert. Mit entsprechendem Equipment wie Wanderschuhen, Stöcken, Sonnencreme und ausreichend Wasser wandert man in ca. 2 Stunden von Monterosso al Mare nach Vernazza. Traumhafte Ausblicke gibt es gratis.

Schnell wird klar, dass ein Ort im Cinque Terre dem anderen gleicht. Die Einwohner warten in ihren Geschäften, Restaurants und Bars auf zahlungsfähige Touristen. Wir sind hungrig und finden schnell ein Restaurant, in dem man uns die leckersten Meeresfrüchte serviert. Wir sind erstaunt, dass wir große, gegrillte Garnelen, Tagliata, zwei Salate und Vino mit guter Qualität zu einem fairem Preis bekommen.

Monterosso al Mare besteht aus zwei Teilen: der Altstadt und dem neueren Viertel Fegina, das einen Strand hat. Beide Ortsteile sind durch einen Tunnel miteinander verbunden. Das Motorboot rechts unten im Bild gehört Bruno. Er liebt Rockmusik, was nicht zu überhören ist. Sein Motorboot samt Kapitän ist charterbar für Express-Fototouren entlang der Küste.

Neben der Altstadt mit ihren Gässchen, Restaurants und Läden und dem Kastell ist die Kirche San Giovanni Battista sehenswert.

Da wir auf der Suche nach schönen Dingen sind, die wir mitnehmen können, interessieren uns natürlich auch die Shops. Im Gegensatz zu Riomaggiore, in dem es nur die klassischen Souvenirläden gibt, finden wir in Monterosso al Mare Kunsthandwerker wie z.B. das Lädchen mit den Keramikartikeln und hochwertig eingerichtete Shops, in denen regionale Produkte wie Schinken, Wein, Nudeln, etc. angeboten werden. Für einen längeren Aufenthalt im Cinque Terre ist für unseren Geschmack Monterosso al Mare die bessere Wahl.

Da die Fahrt mit den Ausflugsbooten langsamer geht, als wir dachten, bleibt keine Zeit mehr, um in den anderen Orten auszusteigen. Das Schiff fährt vorbei an Vernazza, Corniglia und Manarola, um in den Hafen von Portovenere zurückzukehren. Die Steilhänge des Küstenstreifens vom Cinque Terre leuchten in der Abendsonne in den herrlichsten Farben.

Am darauffolgenden Tag fahren wir mit dem Auto nach Rapallo, dem größten Badeort an der Reviera di Levante. Wir laufen durch die Altstadt und den Hafen und sind begeistert von der Lebendigkeit und dem munteren Treiben. Der Ort war in den frühen Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts sicherlich ein mondäner Ort mit prächtigen Villen entlang der Küste. Einige Gebäude sind gut in Schuss, andere sind dem Verfall nahe.

In der Altstadt von Rapallo entdecken wir einen kleinen Wochenmarkt, eine Eisdiele, wie wir sie uns in Bella Italia vorgestellt haben. Ein wenig erinnert uns das Flair auch ans Café König in Baden-Baden. Das rosa farbene Gebäude beherbergt ein Hotel; schönes Gebäude oder?

In der Altstadt von Rapallo entdecken wir ein Geschäft, dass ausschließlich regionale Produkte wie Schinken, Käse, Wein, Olivenöl, Pasta, Pesto, Marmelade, etc. anbietet. Und obendrein handelt es sich um Bioprodukte.

Kai läßt sich ausführlich über die Weine der Region informieren. Wir kaufen Rotwein, Weißwein und Olivenöl. Beim Verkosten wird klar, dass es sich genauso wie daheim lohnt, etwas mehr zu bezahlen, dafür aber Spitzenqualität zu bekommen. In den Dörfern des Cinque Terre ist man auf den Massentourismus eingestellt und vertreibt dort eher Produkte, die schnell verkauft sind wie die zwar gut duftende, aber billige Seife mit Zitronenextrakten. Und auf die Badesaison ist man natürlich auch eingestellt. Die Zitronen in der Region haben eine enorme Größe. Manchmal haben sie den Umfang von Pampelmusen.

In Rapallo an der Strandpromenade liegt ein roter Teppich aus. Der rote Filzläufer ist von Rapallo bis Portofino ausgelegt. Wir folgen dem Teppich entlang der Küste, teilweise durch Waldstücke.

Der Weg von Rapallo nach Portofino ist bequem zu laufen. Es gibt nur kleine Steigungen. Durch den roten Teppich muss man keine Angst haben, über Baumwurzeln und Steine zu stolpern. Der Weg ist also nicht nur fürs Auge, sondern auch für die Füße gut.

Nach gut einer halben Stunde erreichen wir den Bilderbuchhafen von Portofino. Auf den ersten Blick wird klar, dass man sich hier trifft. Die großen Yachten im Hafen signalisieren, dass man an diesem Ort gern zeigt, was man besitzt. Für die Schönen und Reichen sind entsprechende Restaurants und Geschäfte vor Ort. Aber uns stört das nicht, denn der Ort ist traumhaft schön.

Die großen Yachten liegen vor Anker während die Eigner an Land schlemmen und shoppen. Wir sind natürlich begeistert, dass wir so nah an die Boote herankommen und alles inspizieren können. Da schlägt das Skipperherz schon höher.

Die Segelschiffe stehlen den Yachten dennoch die Schau. Leider liegen sie weiter draußen und man kann nur von der Ferne aus entdecken, dass man für diese Spielzeuge mehrere Millionen aufbringen muss.

Auch wenn man den Luxusobjekten nichts abgewinnen kann, der Besuch von Portofino lohnt sich allemal, wenn man in der Region Urlaub macht. Der Hafen ist eine Oase im Ozean. Vom Kastell aus kann man die Lage am Meer besonders gut ausmachen. Und wer Lust auf Kultur hat, kann das Skulpturenmuseum an der Promenade besichtigen.

Abschließend betrachtet, ist die Küstenregion des Cinque Terre eine Reise wert. Wer tiefer in die Schönheit des Naturparks eintauchen möchte, als wir es getan haben, sollte die Wanderwege entlang der Küste, über Berg und Tal gehen. Dort findet man sicherlich Ruhe und Einsamkeit, um die schönen Anblicke zu genießen. In den fünf Dörfern ist es uns aufgrund der angekarrten Menschenmengen mit Bus, Bahn und Boot zu turbulent und zu touristisch. Die Fischerdörfer von einst sind dem Massentourismus überlassen. Und ob das wirklich dem Erhalt des Weltkulturerbes dient, bleibt aus unserer Sicht fraglich. Trotzdem liegt eine schöne, ereignisreiche Woche hinter uns. Am 13. Mai verlassen wir die Region und fahren weiter gen Piombino und Elba. Darüber könnt ihr mehr im nächsten Bericht erfahren.